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Gesellschaft für Evangelische Theologie (GET)

Unsere Tagungen finden alle zwei Jahre an verschiedenen Orten zu aktuellen Themen statt. Außerdem gibt es ab und zu kleinere Workshops als "Zwischentagungen".

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Jahrestagung 27.02 - 01.03 2017, Erfurt

  

  

Komm, sei unser Gast. Gastlichkeit als Herausforderung für Theologie, Kirche und Gesellschaft

Bei der Gastfreundschaft geht es um die zeitweise Aufnahme von vormals Fremden in einem Prozess, der durch tradierte Regeln, die Rechte und Pflichten von Gastgeber und Gästen festlegen, organisiert wird. Es geht in ihr um das zweitweise Zusammenleben in wechselseitiger Verantwortung. Die Fragen nach der Gastlichkeit haben in den letzten Jahren durch dramatische Migrationsbewegungen ganz neues Gewicht bekommen. Inzwischen ist die öffentliche Rede von einer Willkommenskultur, die den Herbst 2015 bestimmte, fast verstummt. Längst ist von überforderten und erschöpften Gastgebern die Rede, von Grenzen oder Missbrauch der Gastfreundschaft. Furcht und Ressentiments beherrschen wieder das Feld. Manchen gilt die Rede von Gastfreundschaft nur noch als Gutmenschengebabbel. Doch scheint gegenwärtig für Europa die Wiedergewinnung einer Freiheit der Gastlichkeit eine zentrale Frage zu sein. Deshalb widmet die GET im Jubiläumsjahr der Reformation diesem Thema ihre Tagung.

Das Thema Gastlichkeit findet in Bibel und Theologie eine reiche Tradition. In Bibel und Alter Kirche war die Philoxenia, die unbedingte Gastfreundschaft, ein hohes Ideal und zugleich praktische Notwendigkeit angesichts der Verkehrsbedingungen der Antike. Gastfreundschaft ist jedoch nicht nur ethische Verpflichtung und pastorale Praxis, sondern berührt vielfach die Gottesbeziehung und ist Lebensgrund der Kirche in der Nachfolge Jesu. Denn sie verdankt sich der Gastlichkeit Gottes, die in der Schöpfung, in den Formen der Gottesbegegnung und im letzten Gastmahl Jesu erlebbar wird. Und nicht zuletzt werden Fülle und eschatologisches Heil in biblischen Bildern vom großen Gastmahl ansichtig. Kirche lebt aus der Gastlichkeit Gottes und kann gastlich sein, sofern sie nicht vergisst, dass sie selber Gast ist.

Weitere Informationen:

 
Tagungsflyer

J. Moltmann: Die unvollendete Reformation, Vortrag Erfurt 2017

 


Zwischentagung

 

 

Religion, Kirche und Zivilgesellschaft

 GET-Workshop in Berekfürdő und Debrecen /Ungarn, 3−6.10.2016

Exposé

Religion und moralische Werte sind wieder was: Seit der politischen Wende von 1989/1990 in Mittelosteuropa sind sie wieder relevant geworden für die Gestaltung politischer Ordnungen in Europa. Das gilt im Allgemeinen für die europäischen Gesellschaften des 20. bis 21. Jahrhunderts, und das gilt insbesondere für die Gesellschaften im Übergang von einer autoritären zu einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. Es wird gerungen um den neuen Stellenwert von Religion und weltanschaulichen Gemeinschaftsidealen. Die Atmosphäre ist dabei geprägt von religiöser Pluralisierung und ethischer Polarisierung sowie einer Säkularisierungsbewegung und dem verstärkten Ruf nach der formalen Trennung von Staat und Kirche. In all diesen Dynamiken kommt es fortschreitend zu Segmentierungen in den Gesellschaften. Religion(en) sind nun interessanterweise an diesen gesellschaftlichen Segmentierungsprozessen nicht wegen ihrer eigenen inneren Pluralisierung beteiligt, etwa wegen ihrer Differenzierung nach konfessionellen, dogmatischen oder liturgischen Schwerpunkten unterschiedlicher Kirchen und Religionsgemeinschaften. Die gesellschaftliche Segmentierung bildet sich vielmehr im Ringen um Fragen eines gelingenden Lebens der Einzelnen und damit verbunden im Ringen um die Legitimität und Durchsetzungskraft politischer Akteure. So melden nämlich politische Organisationen den Anspruch auf ein verbindliches, integrierendes „soziales Ethos“ an, mit Aspekten wie nationale Würde, Kontinuität mit einer Geschichte christlicher Prägung oder individuelles und kollektives Selbstbestimmungsrecht gegen globalisierte Wirtschaftsinteressen - ein Anspruch, von dem sich die Kirchen durchaus angesprochen fühlen können. Damit allerdings entsteht auch die Versuchung, dass sie sich im neuen Ruf nach Religion als privilegierte Verbündete der politischen Kräfte in einer Rolle wiederfinden, in der sie ungewollt und unreflektiert zu Produzenten einer Zivilreligion und Agenten eines Moralismus für Machtinteressen werden. Die Tagung will diese Versuchung vor allem in Bezug auf die evangelischen Kirchen in Mittelosteuropa ins Auge fassen, dafür freilich auch Erfahrungen aus katholischer Sicht reflektieren.

Ziel der Tagung ist es somit, diesen Prozess kritisch-theologisch zu untersuchen, die Chancen und Grenzen der Zivilgesellschaft in Mittelosteuropa zu analysieren sowie das Verhältnis von Theologie und Zivilreligion zu klären. In einer ökumenisch zusammengesetzten Diskussionsgruppe sollen mögliche neue Perspektiven der (evangelischen) Theologie auf die Zivilgesellschaft (z.B. die einer Theologie für die Diaspora, für Diakonie und für die öffentliche Meinungsbildung) reflektiert und auf ihre ekklesiale Relevanz hin geprüft werden.

Dafür wird das Problemfeld zunächst im kritischen Blick eines nicht-kirchlichen Beobachters, nämlich des namhaften ungarischen Schriftstellers Péter Nádas erschlossen werden, bevor Vertreter unterschiedlicher kirchlicher Traditionen aus verschiedenen mittelosteuropäischen Ländern mit kurzen Statements in jeweils ihre kontextuelle Situation einführen. Die weitere Tagung unterteilt sich in die Themenblöcke „Analyse“, „Besondere Herausforderungen“ – hier wird die Flüchtlings“krise“ angesprochen – und „Konsequenzen für die Ekklesiologie“. Als Referierende und Mitdiskutierende haben zugesagt: Prof. Dr. Ulrike Link-Wieczorek, Universität Oldenburg (ev.-un.); Prof. Dr. Jakub Slawik, Christlich-Theologische Akademie Warschau (ev.-luth.), Dr. Sarolta Püsök, Reformierte Fakultät der Universität Cluj-Napoca; Dr. Tim Noble, Karls-Universität Prag (röm.-kath.); Prof. Dr. Stefan Tobler, Universität Sibiu (ev.-ref.); Prof. Dr. Elzbieta Adamiak, Universität Poznan / z.Zt. Universität Koblenz-Landau (röm.-kath); Prof. Dr. Sándor Fazakas, Universität Debrecen (ev.-ref.), Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer, Universität Dresden, Vorsitzender der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie (röm-kath.); Mag. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, Wien; Prof. Dr. Miriam Rose, Universität Jena, Mitglied der Regionalgruppe Südmittelosteuropa der GEKE (ev.-luth.), Prof. Dr. Michael Welker, Universität Heidelberg (ev.-ref.).

Die Tagung wird im „Haus der Versöhnung“ in Berekfürdő, einem Konferenzzentrum der Ev. Reformierten Landeskirche zu Debrecen (http://www.travelporthotels.hu/de/szallas/berekfurdo/megbekeles-haus-reformierten-konferenz-zentrum), stattfinden. Am Dienstag-Nachmittag ist eine Busfahrt nach Debrecen mit dem Besuch der dortigen Fakultät sowie einem kirchlichen diakonischen Projekt vorgesehen. Hier werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung vom Rektor der Reformierten Theologischen Universität Prof. Dr. Gustáv Bölcskei begrüßt und am Abend vom Bischof der Reformierten Kirche in Ungarn/Kirchenkreis Jenseits der Theiß, Dr. Károly Fekete, empfangen werden.

Von Flughafen Budapest (BUD Terminal 2 A und B) Taxi oder Linienbus nehmen bis BUD Terminal 1 Bahnstation). Von Bahnstation Budapest Ferihegy Flughafen (Richtung Debrecen) den Zug nehmen bis Karcag. Alle zwei Stunden z.B.  12,48; 14,48; 16,48 geht ein RE Zug ohne Umsteigen. Reisezeit 1:52 Min.   Verbindungen suchen mit Hilfe von http://elvira.mav-start.hu/

Vom Bahnhof Karcag wird ein Abholdienst vom Haus der Versöhnung Berekfürdő aus (10min) organisiert, wenn die genaue Ankunftszeit in Karcag angegeben wird. Auch für die Rückreise steht ein Shuttle zur Verfügung.

Mit PKW: am besten mit GPS oder Google-Map drucken.

Anschrift:  5309 Berekfürdő, Berek tér 19, (Megbékélés Háza/Haus der Versöhnung)

Siehe: http://megbekeleshaza.reformatus.hu/kapcsolat

Telefon:  +36 59 319 011, +36 59 319 315

 
Tagungsflyer
 
Bericht Ungarntagung

 

 


 

 Jahrestagung 16.-18. Februar 2015, Berlin

 

 

"Verstrickt in Schuld, gefangen von Scham?
Neue Perspektiven auf Sünde, Erlösung und Versöhnung"

Während die Rede von Schuld und Sünde in unserer individuellen Erfahrungswelt nicht selten verdrängt oder trivialisiert wird, ist das Thema in öffentlichen Debatten sehr präsent - seien es schuldhafte Verstrickung staatlicher und kirchlicher Einrichtungen oder Missbrauchsfälle; seien es Fälle von Selbstbegünstigung von Personen in öffentlichen Funktionen oder auch die schwierigen Prozesse der Vergangenheits-bearbeitung. In den letzten Jahren ist zunehmend sichtbar geworden, wie stark in den Aufarbeitungsprozessen das Thema Scham in seinen unterschiedlichen Facetten eine zentrale Rolle spielt. Schamgefühle gehören vermutlich zu den gegenwärtig am stärksten tabuisierten Emotionen. Und doch spielen sie bei Opfern und Tätern in Schuldverstrickungen wie in Versöhnungsprozessen eine zentrale Rolle, die leicht übersehen wird. In den letzten Jahren hat sich die Theologie dem Thema Scham mit neuem Interesse zugewendet.

Deshalb lädt die Tagung der Gesellschaft für Evangelische Theologie alle Interessierten ein, sich mit dem Thema Scham im Zusammenhang der klassischen theologischen Rede von Schuld und Sünde, Versöhnung und Erlösung neu zu beschäftigten. Welche Rolle spielt in unserem Erfahrungskontext das Phänomen der Scham? Und geht es hier nicht um eine wichtige Facette, die in unseren traditionellen Entwürfen zur Lehre von Schuld und Versöhnung zu Unrecht marginalisiert wird?

Vor diesem Hintergrund will die Tagung sowohl politische als auch gesellschaftliche und mediale Debatten um Schuld und Scham mindestens indirekt aufnehmen und in eine konzentriert theologische Reflexion führen.


Programm_2015

Tagungsflyer

 

 

 


 

Jahrestagung 18.-20. Februar 2013, Wildbad Rothenburg

Reich Gottes und Weltgestaltung

Das Reich Gottes – Christinnen und Christen erwarten es in der Zukunft und glauben doch, dass es schon gegenwärtig ist. Welche Relevanz hat diese komplexe Struktur der christlichen Hoffnung heute für eine öffentlichkeitsrelevante Theologie?

Wo stehen wir heute in einer Zeit, in der es eher still geworden ist um große Utopien und in der man sich schwer tut, gesellschaftliche und politische Bewegungen eindeutig zu charakterisieren? Welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten sehen wir, die Reich-Gottes-Hoffnung mit unserer gegenwärtigen Weltgestaltung zu verbinden?

Wie wollen wir mit der Spannung aus Zukunftsvision und Gegenwartsrelevanz umgehen, die für die christliche Sicht unaufgebbar ist? Ein interreligiöser Diskussionsblock wird diese Frage auch in das Judentum und in den Islam hineinspiegeln.

Der Reich-Gottes-Abend wird Erfahrungen von Tagungsteilnehmern und -teilnehmerinnen aus Ost und West, Nord und Süd in Texten und Musik hörbar machen. Eine Reihe von Arbeitsgruppen werden aktuelle Problemfelder der „Weltgestaltung“ behandeln. Die Podiumsdiskussion fragt nach Hoffnungsstrukturen in Politik, Kirche und Entwicklungsarbeit.

Als Ehrung für herausragende Nachwuchswissenschaftler/innen wird zum ersten Mal der Ernst-Wolf-Preis der Gesellschaft für Evangelische Theologie verliehen werden. Die durch einen heiteren Jugendstil geprägte Architektur des Tagungsortes am Ufer der Tauber wird ihr übriges tun, um dem Reich Gottes ein Stückchen näher zu kommen …

Zum Programmaufriss

 


  

Jahrestagung 21.-23. Februar 2011, Augustinerkloster Erfurt

„Glück-Seligkeit. Theologische Rede vom Glück in einer bedrohten Welt“

Zu einer „missionarischen Offensive ganz neuer Art“ hat der Bamberger Theologie-professor Heinrich Bedford-Strohm aufgerufen: „Die Kirchen müssen mehr von dem Glück ausstrahlen, das mit den christlichen Grundorientierungen verbunden ist“, sagte Bedford-Strohm zum Auftakt der Jahrestagung der Gesellschaft für evangelische Theologie (get) in Erfurt am Montag. Eine neue missionarische Initiative müsste den Menschen heute deutlich machen, welche Freude es ist, Christin oder Christ zu sein.

 

 Tagungsprogramm, weitere Berichte, Material und Fotos

 

Pressemitteilung 21.2.2011

Erfurt. Zu einer „missionarischen Offensive ganz neuer Art“ hat der Bamberger Theologieprofessor Heinrich Bedford-Strohm aufgerufen: „Die Kirchen müssen mehr von dem Glück ausstrahlen, das mit den christlichen Grundorientierungen verbunden ist“, sagte Bedford-Strohm zum Auftakt der Jahrestagung der Gesellschaft für evangelische Theologie (get) in Erfurt am Montag. Eine neue missionarische Initiative müsste den Menschen heute deutlich machen, welche Freude es ist, Christin oder Christ zu sein. mehr 

Tagungsbericht H. Bedford-Strohm (pdf-Download)

Einstimmungstext    

Tagungsprogramm